Mailand: ein Kurztrip in eine Stadt voller Kontraste

Von Mailand hört man oft, es sei grau und uninteressant. Doch ist das wirklich so? Schon ein Wochenende in Mailand ist ausreichend, um sich vom Gegenteil zu überzeugen und festzustellen, wie interessant und vielfältig diese Stadt doch ist.

Anreise

Der ÖBB Nightjet verkehrt täglich zwischen München bzw. Wien und Mailand. Abfahrt in München ist um 20:10 Uhr, in Wien um 19:23 Uhr. Die beiden Zugteile werden in Villach gekoppelt und kommen zusammen um 8:10 Uhr in Mailand an.

Zurück geht es um 21:10 Uhr ab Mailand Porta Garibaldi; Ankunft in München: 8:19 Uhr, Ankunft in Wien: 8:46 Uhr.

Tagsüber gelangt man ab München in etwas über sieben Stunden nach Mailand, allerdings mit Umsteigen in Verona.

Außerdem gibt es jeden Tag eine Direktverbindung von Frankfurt am Main nach Mailand (über Mannheim, Karlsruhe, Baden-Baden und Freiburg). Abfahrt in Frankfurt: 8:01 Uhr, Ankunft in Mailand: 15:50 Uhr. Der Direktzug in die Gegenrichtung (Abfahrt in Mailand: 11:20 Uhr, Ankunft in Frankfurt: 18:59 Uhr) fährt leider nicht täglich – mit Umsteigen in Basel geht es aber genauso schnell.

Von Mailand aus gelangt man übrigens auch sehr schnell in andere italienische Städte: Nach Florenz braucht die schnellste Verbindung knapp zwei Stunden, nach Turin rund eine Stunde, und auch nach Rom sind es gerade einmal 3 Stunden und 10 Minuten.

Unterwegs vor Ort

Mailand verfügt über vier U-Bahn-Linien und zahlreiche Bus- und Straßenbahnlinien, sodass man innerhalb der Stadt ganz gut von A nach B kommt. Informationen, Fahrzeiten und Netzpläne findet ihr hier.

In Mailand gibt es noch viele charmante alte Straßenbahnen. Die Tram Nr. 1 eignet sich gut für eine Mini-Stadtrundfahrt, da sie an verschiedenen Sehenswürdigkeiten vorbeifährt, wie etwa am Dom, an der Scala oder am Castello Sforzesco.

Eine weitere Besonderheit im Mailänder Nahverkehr ist die Metrolinie Nr. 5, die ohne Fahrer fährt. Wer so etwas (so wie ich) noch nicht kennt, sollte unbedingt ganz vorne einsteigen, wo normalerweise der Fahrer sitzt.

Eine Fahrt mit einer alten Tram sollte man sich in Mailand nicht entgehen lassen

Sehenswürdigkeiten in Mailand

Rund um die Piazza del Duomo

Wenn man in Mailand nur wenig Zeit hat, ist die Piazza del Duomo mit dem beeindruckenden Dom aus weißem und grauem Marmor sicher das erste Anlaufziel. Wer etwas mehr Zeit zur Verfügung hat, sollte sich dort jedoch etwas genauer umsehen: Der Dom kann nämlich nicht nur von innen, sondern auch von oben besichtigt werden – 10 Euro kostet das Ticket, um über die Treppe bis aufs Domdach hinaufzusteigen (14 Euro mit dem Fahrstuhl). Von dort aus hat man nicht nur einen großartigen Blick über die Stadt und auf die Alpen, sondern kann sich auch die gotische Architektur mit all den Verzierungen aus der Nähe ansehen. Eintrittskarten für den Dom, das Domdach u. a. gibt es online oder vor Ort, der Ticketverkauf befindet auf der rechten Seite des Doms. Die Wartezeiten für die Schalter sind bisweilen recht lang, an den Automaten geht es hingegen recht schnell (hier ist nur Kartenzahlung möglich, EC-Karten funktionieren aber).

Der Blick vom Domplatz auf den Dom ist genauso toll…
…wie der Blick vom Domdach über die Stadt

Neben dem Domplatz befindet sich das Museo del Novecento mit einer interessanten Sammlung von Kunstwerken des 20. Jahrhunderts, vom Futurismus bis hin zu modernen Installationen. Der Eintritt kostet 5 Euro, an jedem ersten und dritten Dienstag des Monats ist der Eintritt ab 14 Uhr kostenlos.

Auf der anderen Seite des Domplatzes befindet sich die Galleria Vittorio Emanuele II, eine Einkaufspassage aus dem 19. Jahrhundert, die schon allein wegen der Architektur einen Abstecher wert ist.

Vom Domplatz aus kann man viele andere Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen, wie etwa die Scala, das Viertel Brera mit seinen schönen kleinen Gassen oder das imposante Castello Sforzesco, ein im 15. Jahrhundert gebautes, mehrmals umgebautes und schließlich Ende des 19. Jahrhunderts restauriertes Kastell mit einer großen Grünanlage.

Im Innenhof des Castello Sforzesco

Auf den Spuren von Leonardo da Vinci

Ein wenig südlich vom Castello Sforzesco gelangt man zu Santa Maria delle Grazie, einer Kirche aus dem 15. Jahrhundert. Die Besonderheit der Kirche ist aber nicht ihre Renaissancearchitektur (auch wenn die schon sehr schön ist), sondern die Tatsache, dass im ehemaligen Speisesaal des daneben gelegenen Klosters das berühmte Abendmahl von Leonardo da Vinci zu sehen ist. Bevor ich mit den Planungen für meinen Mailand-Trip begonnen hatte, war mir weder klar, dass es sich hierbei um ein Wandgemälde handelt, noch, dass es sich in Mailand befindet. Aber Reisen bildet ja bekanntlich.

Das Dominikanerkloster, in dem das Abendmahl zu sehen ist, befindet sich direkt neben Santa Maria delle Grazie

Die Besucherzahlen für das Abendmahl sind begrenzt, und es dürfen immer nur max. 35 Personen für jeweils 15 Minuten in den Raum. Eine Eintrittskarte kostet 15 Euro und kann hier gekauft werden. In der Kalenderauswahl werden immer drei Monate angezeigt, aber ich habe den Eindruck, dass immer nur Karten für die nächsten drei bis vier Wochen verfügbar sind; es lohnt sich also, mehrmals reinzuschauen.

Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Abendmahl im Rahmen einer Führung zu besuchen. Da über die reguläre Webseite zum Zeitpunkt meines Besuchs keine Karten verfügbar waren, habe ich mich für eine Führung entschieden. Ganz billig ist das nicht immer, daher sollte man verschiedene Anbieter vergleichen (meinen Besuch habe ich beispielsweise über Musement gebucht, da es dort gerade ein gutes Angebot gab).

Die Führung war sehr interessant und hat sich auf jeden Fall gelohnt: Schon vorab auf der Piazza gab es viele Informationen über Leonardo da Vinci, und auch über das Gemälde selbst habe ich viel erfahren: zum Beispiel warum es mehrmals restauriert werden musste (es ist in Seccotechnik gemalt, die nicht sehr langlebig ist), weshalb Jesus auf dem Bild keine Füße mehr hat (die mussten zugunsten einer größeren Tür zur Küche weichen) und dass einige der Figuren auf dem weniger beachteten Fresko auf der gegenüberliegenden Wand vermutlich ebenfalls von da Vinci gemalt wurden.

Wer noch mehr von da Vinci sehen möchte, findet ein paar Straßen weiter das Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia Leonardo da Vinci. Meine Zeit hat dafür leider nicht gereicht, aber ich freue mich über Erfahrungsberichte!

Ganz in der Nähe des Museums, direkt neben der U-Bahn-Station Sant’Ambrogio, befindet sich übrigens die äußerst sehenswerte Basilica di Sant’Ambrogio, deren Bau auf das 4. Jahrhundert zurückgeht.

Die Basilica di Sant’Ambrogio ist eine der ältesten Kirchen Mailands

Die Navigli

Ein Stück südlich der Innenstadt, in der Nähe der U-Bahn-Station Porta Genova, befinden sich die Navigli. Diese Kanäle, die ab dem 12. Jahrhundert gebaut wurden und Mailand beispielsweise mit dem Lago Maggiore oder dem Comer See verbanden, dienten einst dem Warentransport. Heute kann man an den Navigli und am alten Hafenbecken, der Darsena (auf dem Beitragsbild ganz oben zu sehen), schön flanieren, in der Sonne sitzen und ausgehen, und insbesondere am Naviglio Grande reiht sich eine Kneipe an die nächste.

Mein Favorit war übrigens Naviglio Craft Beer, eine kleine Bar am Naviglio Grande mit einer großen Auswahl an (wie der Name schon sagt) Craft Beer. Und da behaupte noch einer, in Italien bekäme man kein gutes Bier! Obwohl ich nur zwei Tage in Mailand war, war ich hier sogar zweimal…

Abendstimmung am Naviglio Grande

Nördlich des Zentrums: Hochhäuser, der Friedhof und Chinatown

Ein Stück nördlich des Zentrums, an der U-Bahn-Station Garibaldi FS, liegt die Piazza Gae Aulenti mit ihren modernen Hochhäusern, wie unter anderem dem auffälligen Torre UniCredit, dem höchsten Gebäude Italiens. Deutlich beeindruckender sind jedoch zwei Gebäude in der Nähe, die den Namen Bosco Verticale tragen – „vertikaler Wald“.

So kann Städtebau auch gehen: der Bosco Verticale

Eine weitere Sehenswürdigkeit, die nicht allzu weit von dort entfernt ist, ist der Cimitero Monumentale (U-Bahn: Monumentale), auf dem sich die Gräber verschiedener berühmter Mailänder befinden, wie z. B. des Schriftstellers Alessandro Manzoni. Ich fand den Friedhof schon allein wegen der vielen Denkmäler und Statuen großartig, und außerdem ist er ein wundervoller Ort der Stille im sonst doch sehr geschäftigen Mailand.

Blick über einen kleinen Teil des recht weitläufigen Cimitero Monumentale

Ein Stadtviertel, mit dem ich in Mailand so nicht gerechnet hätte, liegt ein Stück südlich des Friedhofs: das chinesische Viertel um die Via Sarpi (von der Innenstadt aus zu erreichen mit der Tram Nr. 12 und 14, Haltestelle: Via Bramante Via Sarpi). Hier gibt es neben vielen chinesischen Läden auch zahlreiche chinesische Restaurants, und an Imbissläden werden Snacks, Bubble Tea, Bubble Waffles usw. angeboten. Auch wenn italienisches Essen normalerweise mein absoluter Favorit ist, hier konnte ich beim besten Willen nicht widerstehen…

Graffiti an der Via Sarpi
Egal, wie satt man ist, es ist immer noch Platz für eine Waffel

Alles in allem muss ich sagen, dass mich Mailand, das ich bisher nur von der Durchreise kannte, mit seiner Vielfalt und all seinen Kontrasten positiv überrascht hat. Sei es für einen Kurztrip oder auf der Durchreise, ich kann es nur empfehlen, sich die Stadt mal etwas genauer anzusehen!

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