Bologna: Arkaden, so weit das Auge reicht

Bologna ist hierzulande nicht allzu bekannt und liegt in touristischer Hinsicht im Schatten von Städten wie Florenz, Rom oder Venedig. Mit ihren von Arkaden gesäumten Straßen und der ältesten Universität Europas ist die Stadt, die auch die Beinamen la dotta (die Gelehrte), la grassa (die Fette) und la rossa (die Rote) trägt, jedoch ein großartiges Ziel für einen Wochenendtrip oder einen Zwischenstopp auf einer Italienreise.

Anreise

Tägliche Nachtzugverbindungen nach Bologna gibt es ab München und Wien. Abfahrt in München ist um 20:10 Uhr, in Wien um 19:23 Uhr; die beiden Züge werden in Villach gekoppelt. Aufgrund der frühen Ankunft in Bologna, nämlich um 5:17 Uhr, ist diese Verbindung etwas weniger attraktiv als die Verbindung in die Gegenrichtung: Hier fährt der Nachtzug um 22:57 Uhr in Bologna ab und kommt um 8:19 Uhr in München bzw. um 8:46 Uhr in Wien an.

Die Verbindungen nach Italien sind insbesondere in den Sommermonaten äußerst beliebt, daher muss man früh dran sein, wenn man eine günstige Fahrkarte ergattern möchte.

Zwischen München und Bologna gibt es tagsüber drei direkte Bahnverbindungen. Dauer: zwischen 6 Stunden 35 Minuten und 6 Stunden 45 Minuten.

Bologna bietet sich aufgrund seiner Lage im Zentrum Norditaliens perfekt für einen Zwischenstopp an, und mit dem Schnellzug gelangt man sehr schnell in verschiedene italienische Städte: Bis Florenz sind es mit der schnellsten Verbindung nur 35 Minuten, in weniger als eineinhalb Stunden ist man in Venedig oder Mailand, und auch bis Rom sind es gerade einmal zwei Stunden.

Außerdem gibt es direkte Busverbindungen aus verschiedenen deutschen Städten nach Bologna, wie u. a. aus Köln, Frankfurt am Main oder Dresden. Das dauert leider ziemlich lang, ist dafür teilweise auch unschlagbar günstig.

Auf Durchreise in Bologna

Bei der Planung meines Italienurlaubs, den ich größtenteils weiter im Süden (Rom und Neapel) verbringen wollte, stellte sich die Frage nach der Rückreise. Hin ging es ganz klar mit dem Nachtzug, aber wie mache ich das zurück? Wenn ich auch zurück den Nachtzug nehmen wollte, konnte ich entweder direkt vom Zug weiter zur Arbeit (was ich in der Vergangenheit auch schon gemacht habe, das geht schon, ist aber etwas zäh) oder musste einen zusätzlichen Tag Urlaub opfern, was auch nicht optimal ist. Letztendlich habe ich mich für die dritte Option entschieden, nämlich für einen Zwischenstopp mit Übernachtung auf quasi halber Strecke.

Das erste, was einem in Bologna ins Auge fällt, sind die Arkaden, die nahezu jede Straße säumen. Mit einer Gesamtlänge von etwa 40 Kilometern gelangt man so bei Schmuddelwetter trockenen Fußes durch die Stadt, und im Sommer ist es angenehm schattig – dann kann es dort nämlich ganz schön heiß werden.

Wohin man schaut, sieht man Arkaden…
…und nochmal Arkaden

Ein Blick vom Torre Asinelli auf „die Rote“

Von den zahlreichen Geschlechtertürmen, die einst in Bologna erbaut wurden, sind rund 20 bis heute erhalten geblieben. Die zwei bekanntesten sind der Torre Asinelli und der Torre Garisenda. Die beiden ziemlich schiefen Türme befinden sich direkt in der Innenstadt, und vom höheren der beiden – dem Asinelli – hat man einen großartigen Blick. Zuerst muss man dafür aber in der Touristeninformation auf der Piazza Maggiore eine Eintrittskarte für eine zuvor festgelegte Uhrzeit kaufen (Kosten: 5 Euro) und anschließend knapp 500 Stufen hochsteigen. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, und zwar nicht nur, weil sich beim Blick von oben zeigt, weshalb Bologna auch la rossa genannt wird.

Blick vom Torre Asinelli
Ein wenig schwindelfrei muss man schon sein

Der Palazzo dell’Archiginnasio und „die Gelehrte“

Die Universität Bologna gilt mit einem stattlichen Alter von fast 1000 Jahren als die älteste Universität Europas, und dass man sich in einer typischen Studentenstadt befindet, merkt man hier auch gleich an der lebendigen und lockeren Atmosphäre.

Einstiger Sitz der Universität ist der im 16. Jahrhundert erbaute Palazzo dell’Archiginnasio an der Piazza Galvani unweit der Piazza Maggiore. Schon allein der Innenhof mit seinen Arkaden (was auch sonst) ist einen Blick wert. Im Obergeschoss befindet sich das im Krieg zerstörte und anschließend wieder aufgebaute anatomische Theater (Teatro anatomico), in dem einst Leichen seziert wurden. Sehenswert sind auch die Gänge, die von unzähligen Studentenwappen geschmückt sind, und der Stabat-Mater-Saal, von dem aus man einen Blick in die eindrucksvolle Bibliothek hat.

Das Innere des Palazzo kann jeden Tag ab 10 Uhr besichtigt werden (werktags bis 18 Uhr, samstags bis 19 Uhr und sonntags bis 14 Uhr), der Eintritt kostet 3 Euro.

Die Bibliothek des Archiginnasio

Die sieben „Geheimnisse“

Das Herz der Stadt ist die Piazza Maggiore mit der Basilika, in der sich die größte Sonnenuhr der Welt befindet. Und ganz in der Nähe liegen zwei der sieben sogenannten Geheimnisse Bolognas: die Flüsterwand und der Neptunbrunnen.

Die Stelle, an der sich die beiden durch den Palazzo del Podestà (gegenüber der Basilika) führenden Durchgänge kreuzen, nennt sich Voltone del Podestà oder auch die „Flüsterwand“. Wenn sich zwei Personen an den gegenüberliegenden Ecken dieses Durchgangs mit dem Gesicht zur Wand hinstellen und eine der beiden etwas sagt, ist das in der anderen Ecke laut und deutlich zu hören. Zu finden ist diese Ecke ziemlich gut, da ständig irgendwelche Leute grinsend herumstehen, die dieses Phänomen gerade getestet haben.

Ein paar Schritte weiter gelangt man zum Neptunbrunnen. Wenn man sich diesem von rechts hinten nähert, sieht man… Huch?! Hat die Neptunstatue wirklich einen so großen Penis?! Ein paar Schritte weiter klärt sich das Ganze auf: In Wirklichkeit ist das seine Hand ist und die Proportionen würden sonst auch gar nicht passen. Angeblich hat das der Künstler ja absichtlich so gemacht…

Ein Schelm, wer Böses denkt…
…die Neptunstatue ist nämlich ganz züchtig
Was man von den Sirenen nicht unbedingt behaupten kann

Ein weiteres Geheimnis ist das Fenster in der Via Piella, das den Blick auf einen der alten Kanäle freigibt, die einst ganz Bologna durchzogen. In meinem Fall fiel der Blick allerdings nur auf ein Baugerüst und einen Kanal, in dem sich gerade kein Wasser befand. Schade, aber man kann nicht alles haben. Weitere „Geheimnisse“ findest du in diesem Artikel.

Buchtipp

Wenn mir eine Stadt gut gefällt, lese ich gerne Bücher, die dort spielen. Allen, denen es genauso geht und die gerne Krimis lesen, kann ich den italienischen Autoren Carlo Lucarelli empfehlen, dessen Bücher teilweise in Bologna angesiedelt sind. Dazu zählen etwa die Reihe mit dem Inspektor Coliandro (auf Deutsch sind nur die beiden Bücher Das Mädchen Nikita und Schutzengel verfügbar) sowie die Reihe mit Inspektorin Grazia Negro (Der grüne Leguan, Der Kampfhund und Bestie sowie Das süße Antlitz des Todes von Carlo Lucarelli und Andrea Camilleri).

4 Kommentare zu „Bologna: Arkaden, so weit das Auge reicht

    1. Gern geschehen – dein Beitrag hat mir auch ein paar Ideen für mein Wochenende geliefert. Von der Flüsterwand hatte ich ja vorher noch nie gehört, obwohl ich früher schon mal in Bologna war. Damals haben mir alle nur vom Neptunbrunnen erzählt 😉
      LG Corina

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