Bordeaux und die Atlantikküste

In Bordeaux war ich zweimal auf Durchreise, und schon beim ersten Mal gefiel mir die lebendige Stadt sehr gut. Beim nächsten Besuch ein paar Jahre später war ich ein zweites Mal beeindruckt – ich wusste zwar noch, dass Bordeaux sehr schön war, hatte aber anscheinend vergessen, wie schön. Bis zur Atlantikküste sind es von dort aus auch nur rund 60 Kilometer, und die ist nicht nur wegen der langen Sandstrände, der Dünen und der Pinienwälder interessant, sondern auch wegen der Wellen, die diese Ecke Frankreichs zu einem Paradies für Surfer machen. Und vor allem: Mit dem TGV kommt man ziemlich gut hin!

Anreise

Die Anreise erfolgt in der Regel über Paris. Von Deutschland hat man verschiedene Möglichkeiten, nach Paris zu fahren:

  • Ab Köln über Aachen (3 Stunden 20 Minuten, 5 Verbindungen täglich)
  • Ab Frankfurt über Mannheim, Kaiserslautern und Saarbrücken (3 Stunden 55 Minuten, 4 Verbindungen täglich) oder über Mannheim und Karlsruhe (3 Stunden 45 Minuten, 2 Verbindungen täglich)
  • Ab Stuttgart über Karlsruhe (ab 3 Stunden 15 Minuten, 5 Verbindungen täglich, einmal pro Tag ab München)
  • Ab Berlin über Frankfurt mit dem Nachtzug aus Moskau (mittwochs um 21:03 Uhr, Rückfahrt ab Paris donnerstags um 18:58 Uhr, Tickets gibt es auf der Seite der russischen Bahn)

Ab Paris fahren dann zahlreiche direkte Züge nach Bordeaux weiter, die schnellste Verbindung dauert nur 2 Stunden 4 Minuten (Preisinformationen findet ihr hier). Die Züge nach Bordeaux fahren ab Paris Montparnasse, während die Züge aus Deutschland an den Bahnhöfen Paris Est oder Paris Nord ankommen. Der Wechsel zwischen den Bahnhöfen ist einigermaßen unkompliziert, ab Paris Est und Paris Nord gelangt man mit der Metrolinie 4 in Richtung Montrouge in etwas mehr als einer Viertelstunde direkt nach Paris Montparnasse (die Haltestelle heißt Montparnasse – Bienvenüe), und wer keine Lust hat, in Paris am Fahrkartenautomaten anzustehen, kann die Metrotickets im TGV im Bordbistro kaufen.

Zweimal am Tag fährt übrigens auch ab Straßburg ein TGV direkt nach Bordeaux, einmal um 6:59 Uhr (Ankunft um 12:52 Uhr) und einmal um 16:31 Uhr (Ankunft 22:06 Uhr). Nach Straßburg gelangt man sehr gut ab Frankfurt (mit der Verbindung über Karlsruhe) sowie ab Stuttgart (und einmal am Tag, um 6:46 Uhr, auch ab München).

Von Bordeaux aus gibt es gute Busverbindungen nach San Sebastián (ca. 2 Stunden 30 Minuten) oder nach Bilbao (schnellste Verbindung: 4 Stunden), sodass sich die Stadt auch perfekt für einen Zwischenstopp auf der Fahrt nach Spanien anbietet. Die Verbindungen der verschiedenen Buslinien findet ihr hier.

Der Weg ist das Ziel (zumindest ein bisschen)

Zugegeben: Die Vorstellung, in Paris mit der Metro durch die halbe Stadt zu fahren, um den Bahnhof zu wechseln, ist nicht gerade die attraktivste. Vor allem, wenn man sich Gedanken über eventuelle Verspätungen und daraus resultierende Zeitnot macht… Im Endeffekt lief bei mir aber alles wie geschmiert: Mein Zug kam pünktlich an, und der Wechsel von einem Bahnhof zum anderen ging einigermaßen flott vonstatten, sodass ich letztendlich am Bahnhof Montparnasse über eine Stunde totschlagen musste, wo mich der Tour Montparnasse anlachte. Wegen des stattlichen Eintrittspreises von rund 20 Euro habe ich zwar eine ganze Weile hin und her überlegt, letztendlich wurde ich jedoch mit einem Blick belohnt, für den allein sich die Fahrt schon fast gelohnt hat.

Blick vom Tour Montparnasse über Paris

Auf Besuch in Bordeaux

Wie bei meinem ersten Besuch in Bordeaux hatte ich auch beim zweiten Mal nur etwa einen Nachtmittag in der Stadt, sodass ich mich gegen einen Museumsbesuch entschied und mich stattdessen „nur“ darauf beschränkt habe, durch die Altstadt zu bummeln, die Atmosphäre zu genießen und ab und zu in einem der zahlreichen Cafés ein Päuschen einzulegen. Und alleine das ist schon einen Besuch wert: Die Altstadt mit ihren kleinen Gässchen und ihren eindrucksvollen Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert wurde 2007 zu großen Teilen zum UNESCO-Welterbe erklärt. Das Tourismusbüro von Bordeaux hat dazu eine kleine Broschüre mit einem UNESCO-Rundweg herausgegeben, der an einigen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Denkmälern vorbeiführt. Ich bin den Rundweg allerdings nicht komplett abgelaufen, da ich mich mehrmals von irgendwelchen interessanten Seitenstraßen habe ablenken lassen und dann irgendwann aufgegeben habe…

Die Straßen sind in Bordeaux genauso schön…
…wie die kleinen Gassen

Zwischen dem Place de la Bourse und dem Ufer der Garonne befindet sich das beliebteste Fotomotiv der Stadt: der Miroir d’eau, der „Wasserspiegel“. Dabei handelt es sich um eine Wasserfläche auf Granitplatten, in der sich die Fassaden der umliegenden Gebäude spiegeln und in der an warmen Tagen viele Kinder herumtoben.

Im Miroir d’eau spiegeln sich die Gebäude des Place de la Bourse

Nicht weit davon entfernt befindet sich das Grand Théâtre und ein Stückchen dahinter die Esplanade des Quinconces mit dem Monument aux Girondins, das an die Abgeordneten der Gironde erinnert, die während der Terrorherrschaft der Französischen Revolution ums Leben kamen.

Säulen vor dem Grand Théâtre, im Hintergrund die Säule des Monument aux Girondins

Das Viertel zwischen dem Place de la Bourse und der wunderschönen gotischen Kathedrale Saint-André ist mit all seinen Gassen, Plätzen, Restaurants und Kneipen äußerst charmant. Allein hier hätte ich mich stundenlang aufhalten können. Da ich jedoch wusste, wie früh der Wecker am nächsten Tag klingeln würde, habe ich mich irgendwann in meine Unterkunft begeben. Aber vielleicht führt mich bald wieder eine Reise nach Bordeaux, aller guten Dinge sind schließlich drei.

Die Kathedrale Saint-André

Surfen an der Atlantikküste

Bei meinem ersten Besuch in der Gegend habe ich eine Woche Surfkurs in Carcans Plage gemacht. Carcans Plage ist relativ klein, mit ein paar Lädchen und Restaurants (die z. T. aber schon geschlossen hatten, als ich Anfang September dort war) und einem Markt, der einmal pro Woche stattfindet. Langweilig wurde mir aber trotzdem nicht: Dort kann man wunderbar am Strand entlangspazieren (wegen der Dünen gibt es nur wenige Zugänge zum Strand, und der Trubel nimmt ab, je weiter man sich davon wegbewegt), mit einem Buch in der Hängematte rumhängen (am Strandzugang steht übrigens ein Bücherregal, wo man Bücher tauschen oder ausleihen kann), mit dem Fahrrad durch die Pinienwälder radeln und natürlich: surfen, surfen, surfen!

Surfer am Strand von Carcans Plage

Unterkunftstipp: Das Village de l’Océan ist nur rund 500 Meter vom Strand entfernt. Die kleinen Hüttchen sind zwischen Pinien über das Gelände verstreut, und ich fand es dort sehr ruhig und entspannt, allerdings war bei meinem Aufenthalt dort die Haupturlaubszeit schon vorbei.

Hütten im Village de l’Océan

Von Bordeaux aus fährt in den Sommermonaten der Bus Nr. 710 direkt nach Carcans Plage (in der Hauptsaison häufiger als in der Nebensaison). Infos zu Abfahrtzeiten sind unter www.transgironde.fr zu finden.

Neugierig geworden? Auf der Website des Tourismusbüros von Bordeaux gibt es neben ausführlicheren Informationen auch einen virtuellen Stadtrundgang.

Mein Surfkurs hier liegt schon eine Weile zurück, und die Schule, bei der ich war, bietet mittlerweile leider keine Kurse in Frankreich mehr an, weshalb ich euch keine Tipps hierzu geben kann. Eine aktuelle Liste mit Surfcamps in Frankreich findet ihr allerdings hier.

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