Höhlen und Ruinen­kneipen – ein Wochenende in Budapest

Ein langes Wochenende steht an, und kurzentschlossen möchten wir ein paar Tage wegfahren. Nur wohin? Nach langem Abwägen der verschiedensten Optionen ist plötzlich Budapest im Gespräch. Hmm… Warum denn eigentlich nicht? Der letzte Besuch liegt mittlerweile schon einige Zeit zurück, ab München gibt es Direktverbindungen mit der Bahn, und die Fahrkarten sind auch kurzfristig noch erschwinglich. Gesagt, getan. Noch schnell einen Reiseführer ausgeliehen und ein wenig im Internet recherchiert, und schon kann es losgehen.

Anreise

Mit dem Nachtzug gelangt man von München sowie Berlin jeden Tag ohne Umsteigen nach Budapest.

Zwischen München und Budapest gibt es eine Nachtzugverbindung über Salzburg und Wien:

München (23:20) – Budapest (9:19)
Budapest (20:40) – München (6:10)

Außerdem gibt es seit Dezember 2018 wieder einen Nachtzug von Berlin nach Budapest, der über Frankfurt (Oder), Breslau und Bratislava fährt:

Berlin (18:43) – Budapest (8:35)
Budapest (19:25) – Berlin (9:16)

Aus anderen deutschen Städten bieten sich ggf. auch Verbindungen über Prag oder Wien an: Zwischen Prag und Budapest fährt jeden Abend ein Nachtzug, und außerdem gibt es Nachtzugverbindungen nach Wien ab Düsseldorf (u. a. über Köln, Frankfurt a. M., Nürnberg und Passau) sowie Hamburg (u. a. über Hannover, Göttingen, Würzburg und Nürnberg). Von Wien gelangt man in zweieinhalb Stunden nach Budapest (Verbindungen stündlich).

Die Verbindungen und die jeweils besten Preise könnt ihr unter Trainline abrufen.

Zwischen München und Budapest gibt es auch tagsüber mehrere Direktverbindungen (Dauer: 6 Stunden 50 Minuten). Außerdem gibt es einmal am Tag eine Verbindung von Hamburg über Berlin, Dresden, Prag und Bratislava (Gesamtdauer: ca. 13 Stunden).

Unterwegs vor Ort

Informationen zum Transport vor Ort findet man auf der Seite der Budapester Verkehrsgesellschaft unter https://www.bkv.hu/en/.

Drei Tage in Budapest

Wir haben uns dazu entschieden, am Donnerstagabend mit dem Nachtzug nach Budapest zu fahren und am Sonntagnachmittag einen Zug zurück zu nehmen, mit dem wir am späten Abend wieder in München sind. Das gibt uns knappe drei Tage in der ungarischen Hauptstadt. Was kann man in drei Tagen in Budapest machen? So einiges! In drei Tagen hat man ausreichend Zeit, um sich in aller Ruhe die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anzusehen, wie etwa den Burgberg, den imposanten Heldenplatz oder das jüdische Viertel mit der Großen Synagoge und den zahlreichen Kneipen und Restaurants. Außerdem blieb uns noch Zeit für eine Tour durch die Pálvölgyi-Höhle. Im Folgenden also unsere Highlights:

Auf dem Burgberg den Blick auf die Donau genießen

Nach dem Einchecken in unserer Unterkunft und einem Frühstück in einem kleinen Café im jüdischen Viertel machen wir uns als Erstes auf den Weg zur Donau. Über die Kettenbrücke gelangen wir zum Stadtteil Buda mit dem Burgberg, auf dem sich der Burgpalast, die Fischerbastei und die Matthiaskirche befinden und von dem aus man vor allem einen großartigen Blick über die Stadt hat.

Löwenstatuen auf der Kettenbrücke

 

Blick vom Burgberg auf die Donau und das Parlament

Über den Heldenplatz zum Stadtwäldchen spazieren

Auch der Heldenplatz (Hősök tere) stand bei uns auf dem Programm, der im Jahr 1896 zum 1000-jährigen Jubiläum der magyarischen Landnahme errichtet wurde und an dem auch die Kunsthalle und das Museum der bildenden Künste liegen, die wir allerdings nicht besucht haben (U-Bahn-Linie M1 bis Hősök tere).

Leider müssen wir bei Nieselregen über den Heldenplatz schlendern

Direkt hinter dem Heldenplatz gelangt man zum Stadtwäldchen (Városliget), einem schönen Park, in dem sich neben einem Thermalbad, dem botanischen Garten und einem Vergnügungspark auch eine Burg befindet: die Burg Vajdahunyad (Vajdahunyad vára), die zwar mittelalterlich anmutet, in Wahrheit jedoch ebenfalls im Jahr 1896 zur Millenniumsausstellung gebaut wurde. Dennoch ist sie einen Abstecher wert:

Die Burg Vajdahunyad im Stadtwäldchen

 

Portal der Burgkapelle

Durch die Pálvölgyi-Höhle kraxeln

Budapest ist berühmt für seine Thermalquellen und -bäder. Dieser Umstand hat eine Sehenswürdigkeit der etwas anderen Art geschaffen: Das Thermalwasser hat nämlich das Gestein ausgehöhlt und so unter der Stadt ein enormes Höhlensystem geschaffen. Da Wellnessen im Thermalbad nicht so unbedingt unser Ding ist, besuchen wir stattdessen lieber die Pálvölgyi-Höhle im Stadtteil Buda.

Gebucht haben wir das Ganze über die Website http://www.caving.hu. Dort werden verschiedene geführte Touren durch die Höhle angeboten: Cave Walks, Adventure Caving und Geological Tours. Wir haben uns für Adventure Caving entschieden und die Tour vollkommen unkompliziert ein paar Tage vorher per E-Mail reserviert (Kosten: ca. 30 Euro).

Vor Ort werden wir mit Overalls, Helmen und Stirnlampen ausgestattet und machen uns in einer Gruppe von etwa 12 Personen auf den Weg in die Höhle, in die wir zunächst über eine Leiter hinabklettern und anschließend rund zwei Stunden lang erkunden, indem wir durch schmale Gänge rutschen, über Felsformationen klettern und durch – mitunter doch recht enge – Löcher kriechen. Für Klaustrophobiker nicht gerade ein Paradies, aber man muss sich auch nicht unbedingt durch jede noch so kleine Felsöffnung quetschen: In vielen Fällen gibt es Möglichkeiten, diese zu umgehen, indem man irgendwo anders vorbeiklettert, wenn es einem doch zu eng erscheint. Alles in allem hat die Tour sehr viel Spaß gemacht, und wir können sie nur weiterempfehlen!

Das jüdische Budapest kennenlernen

Die jüdische Gemeinde in Budapest ist nicht nur eine der größten in Europa, sondern auch äußerst lebendig. In der Stadt finden sich über 20 Synagogen, von denen wir uns eine ansehen wollen: die Große Synagoge (nagy zsinagóga) in der Dohány utca, die gleichzeitig auch die zweitgrößte Synagoge der Welt ist. Sie kann sonntags bis freitags an allen Tagen besichtigt werden, und Führungen, die in verschiedenen Sprachen angeboten werden, sind im Eintrittspreis inbegriffen. Nachdem uns die Dame, die die deutsche Führung abhält, nicht nur mit vielen Informationen versorgt, sondern uns auch nebenbei noch ein paar jüdische Witze erzählt, legt sie uns zum Vergleich einen Besuch der orthodoxen Synagoge in der Kazinczy utca ans Herz, wofür unsere Zeit leider nicht reicht.

Die Große Synagoge

Das jüdische Viertel hat uns mit seinen Altbauten und seiner lockeren Atmosphäre ohnehin sehr gut gefallen, sodass wir dort viel einfach herumgeschlendert sind. Auch zum Ausgehen eignet sich dieses Viertel hervorragend, da hier zahlreiche Cafés und Restaurants zu finden sind sowie ein in einer Baulücke gelegner Streetfood-Markt und eine Besonderheit Budapests: die Ruinenkneipen, die in ehemals leerstehenden, heruntergekommenen Häusern eröffnet wurden und sich mittlerweile größter Beliebtheit erfreuen. Szimpla Kert in der Kazinczy utca ist die erste und wohl auch bekannteste dieser Ruinenkneipen. Sie ist weit davon entfernt, ein Geheimtipp zu sein, und an Wochenenden ist hier abends die Hölle los, aber tagsüber ist sie ganz entspannt und meiner Meinung nach definitiv einen Besuch wert.

Im Szimpla Kert

Hier trinken wir noch ein Craft Beer und essen nebenan auf dem Streetfood-Markt schnell einen letzten Langos, bevor es am Sonntagnachmittag wieder zum Bahnhof geht. Noch auf dem Weg beschließen wir, unbedingt wiederzukommen, damit wir uns all das ansehen können, wofür dieses Mal die Zeit nicht gereicht hat: die orthodoxe Synagoge, den Gellértberg, die große Markthalle, die zahlreichen Museen, vielleicht doch mal eines der Thermalbäder und die vielen anderen tollen Kneipen… Hoffentlich bis bald!

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