Häufig gestellte Fragen zum Reisen im Nachtzug

Wenn ich Freunden von meinen Reisen mit dem Nachtzug erzähle, antworten mir viele, dass sie das total cool finden, aber selbst noch nie gemacht haben. Der ein oder andere probiert es dann doch mal aus, und da habe ich gemerkt, dass sich vor der ersten Fahrt mit dem Nachtzug einige Fragen zum ganzen Drumherum ergeben. Daher möchte ich euch hier ein paar Infos liefern, damit ihr wisst, was euch erwartet, und die Fahrt entspannt antreten könnt.

Da der Großteil der Nachtzüge ab Deutschland von der ÖBB betrieben wird, beziehe ich mich hier in erster Linie auf den ÖBB Nightjet. Die Nachtzüge anderer Betreiber dürften allerdings meist ähnlich sein (genauere Infos findet ihr im Zweifelsfall auf den Webseiten der einzelnen Betreiber).

Was ist der Unterschied zwischen Sitzwagen, Liegewagen und Schlafwagen?

Die günstigsten Fahrkarten gibt es in der Regel im Sitzwagen. Hier hat man lediglich einen Sitzplatz in einem Abteil mit insgesamt sechs Plätzen. Wenn das Abteil nicht voll belegt ist, kann man die Sitze so zusammenschieben, dass man sich hinlegen kann. Häufig sind die Abteile erfahrungsgemäß nicht voll belegt, da das vielen Leuten zu unbequem ist; darauf verlassen kann man sich jedoch nicht. Bei der ÖBB gibt es aber auch die Möglichkeit, dass bis zu drei Personen zusammen ein Abteil buchen. Aber Achtung: Auch wenn man die Sitze zusammenschiebt, ergibt das keine komplett flache Liegefläche, und Ausstrecken ist auch nur bei kleineren Personen drin. Außerdem lassen sich die Sitzabteile nur bedingt abdunkeln. Vom Preis her unschlagbar, aber wer Wert auf eine gute Nachtruhe legt, sollte vielleicht lieber einen Liege- oder Schlafwagen in Erwägung ziehen.

Liegewagen sind die nächstteurere Kategorie. Hier kann man zwischen einem Abteil mit vier und mit sechs Betten wählen. Abends kann man auf der untersten Liege sitzen, die Lehnen werden zum Schlafengehen hochgeklappt. Auch hier gibt es bei der ÖBB die Möglichkeit, ein Privatabteil zu buchen, außerdem sind Damenabteile und Rollstuhlabteile verfügbar.

Die teuerste, aber gleichzeitig auch komfortabelste Kategorie ist der Schlafwagen. Hier kann man zwischen Einzel-, Zweier- und Dreierbelegung wählen. Wenn man alleine reist und ein Bett im Zweier- oder Dreierabteil bucht, teilt man sich das Abteil mit anderen Reisenden, in dem Fall sind die Abteile jedoch nach Geschlechtern getrennt. Schlafwagenabteile verfügen über eine eigene Waschgelegenheit, bei der ÖBB bekommt man außerdem ein Fläschchen Prosecco und ein Beutelchen mit Handtuch, Ohrstöpseln usw.

Sowohl Liege- als auch Schlafwagen können abgeschlossen werden. Für Familien mit Kindern sind übrigens auch Familienabteile verfügbar.

So sieht es im Liegewagen aus…
…und so im Schlafwagen. In dem Schrank auf der linken Seite befindet sich das Waschbecken.

Wenn ihr euch das Ganze noch genauer ansehen möchtet, findet ihr auf der Webseite der ÖBB eine 360°-Grad-Ansicht aller Abteilkategorien.

Muss ich eine Decke oder einen Schlafsack mitnehmen?

Nein. Im Liege- und im Schlafwagen bekommt jeder Reisende ein Leintuch, eine Decke und ein Kopfkissen. Mir persönlich sind die Kopfkissen ein wenig zu flach; wer den Kopf auch gerne etwas höher liegen hat, sollte vielleicht zusätzlich ein kleines Kissen oder Nackenhörnchen einpacken oder einfach einen Pulli darunterlegen.

Bettwäsche bekommt man im Zug

Bekomme ich morgens einen Kaffee?

In den Liege- und Schlafwagen der ÖBB bekommt man morgens einen Kaffee bzw. Tee und ein kleines Frühstück. In den Schlafwagen gibt es ein gutes Frühstücksangebot à la carte (muss am Abend vorher ausgewählt werden).

Werde ich vor der Ankunft geweckt?

Ja. Die Zugbegleiter wecken die Reisenden normalerweise eine Stunde vor Ankunft und bringen das Frühstück. Vor den Endbahnhöfen sammeln sie dann auch die Decken usw. ein. In der Regel sagen sie es aber auch am Abend vorher, wann sie zum Wecken kommen.

Was für ein Bett soll ich auswählen – unten, Mitte oder oben?

Das ist Geschmackssache, da alle Betten ihre Vor- und Nachteile haben.

Im 6er-Abteil haben die Liegen in der Mitte und oben den Vorteil, dass einem andere Reisende, die später einsteigen, früher aussteigen oder nachts auf die Toilette müssen, nicht direkt vor der Nase rumlaufen. Oben hat man in der Hinsicht vollkommen seine Ruhe und kommt außerdem gut an das Gepäckfach ran, das sich über der Tür befindet. Die oberen Liegen haben zusätzlich den Vorteil, dass man sich schon zurückziehen und beispielsweise lesen kann, wenn die anderen Reisenden unten noch sitzen, wohingegen die unteren und mittleren Liegen immer erst „umgebaut“ werden müssen. Der Nachteil ist dafür, dass man immer die Leiter hoch- und runterklettern muss, wenn man mal rausmöchte.

Die unteren Liegen bieten sich an, wenn man nicht immer hoch- und runterklettern möchte oder beispielsweise Angst hat, aus dem Bett zu fallen – auch wenn die Wahrscheinlichkeit eher gering ist, kann einem ja schon die Befürchtung um den Schlaf bringen. Dafür wacht man unten wahrscheinlich eher auf, wenn andere Reisende nachts raus- oder reingehen.

Bei der Buchung könnt ihr auswählen, was für ein Bett ihr möchtet.

Vom obersten Bett aus kommt man gut ans Gepäckfach. Die Liegen hier sind seitlich erhöht, damit man nicht herausfallen kann (ist leider nicht immer so).

Was brauche ich für die Fahrt im Nachtzug?

Eigentlich nicht viel. Packt eure Schlaf- und Waschsachen am besten oben in den Rucksack/Koffer, sodass ihr gut rankommt.

Die meisten Reisenden sind rücksichtsvoll und leise. Aber natürlich kann es vorkommen, dass jemand schnarcht oder man von einer Durchsage an einem Bahnhof geweckt wird, an dem der Zug gerade hält. Daher sollten Ohrstöpsel unbedingt ins Gepäck.

Die Liege- und Schlafwagen lassen sich in der Regel gut abdunkeln. Damit ihr aber auch dann nicht aufwacht, wenn eure Mitreisenden nachts einmal kurz die Tür zum Gang öffnen, packt am besten eine Schlafmaske ein.

Und wie oben bereits erwähnt, wem ein dünnes Kissen nicht ausreicht, sollte ein zusätzliches Kissen (ggf. aufblasbar) oder ein Nackenhörnchen einpacken.

Gibt es auch Nachtzüge mit Autotransport?

Ja, einige Nachtzüge bieten auch Auto- und Motorradtransport. Infos zu den Angeboten der ÖBB findet ihr hier.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.